Last updated: 19/11/08 [03:12:13] GMT


Um sich mit Ihrem Leben anzufreunden, sollten Sie sich zuerst mit Ihrem Tod anfreunden

[2008-08-26 06:13:00]

Es gibt nur eins, auf das Sie sich voll und ganz verlassen können: zu irgendeinem Zeitpunkt – und Sie wissen nie, wann das sein wird, vielleicht in ein paar Jahrzehnten, vielleicht in ein paar Sekunden – werden Sie Ihren gegenwärtigen Körper und alle damit verbundenen Handlungen, Ereignisse, Erfahrungen, Erinnerungen, Beziehungen, Erfolge, Besitztümer, Hoffnungen, Ängste und Dramen hinter sich lassen. Ungeachtet aller Mythen über Unsterblichkeit ist es bislang noch keinem gelungen, dies zu vermeiden. Es handelt sich also offensichtlich um ein allseits bewährtes System. Und da noch niemand zurückgekommen ist, um sich darüber zu beschweren, müssen wir davon ausgehen, dass es völlig sicher ist und alles genau so ist, wie es sein soll. Wenn wir möchten, können wir den Tod sogar als eine wundervolle Erfahrung ansehen, da er den Geist von den Beschränkungen der körperlichen Existenz befreit.

Nichtsdestotrotz wenden wir eine enorme Menge an Zeit und Energie auf, um dem zu entkommen. Wir versuchen so zu tun, als ob uns dies nicht passieren würde. Wir versuchen uns abzulenken, indem wir uns so sehr in das Alltägliche vertiefen, dass wir glauben, es sei realer und mächtiger als der Tod. Dabei wissen wir letztendlich alle, dass das nicht stimmt – nichts ist mächtiger als der Tod. Anstatt dagegen anzukämpfen, den Gedanken zu vermeiden oder sich davon abzulenken, sollten Sie sich lieber darin üben, den Tod mit offenen Armen willkommen zu heißen. Freunden Sie sich mit ihm an. Sehen Sie ihn als ein liebevolles Wesen und nicht als Feind. Auf diese Weise verbringen Sie Ihr Leben nicht mit Leugnen und dem Unterdrücken der existentiellen Angst vor dem Tod, sondern gehen Ihren Weg in Frieden, in dem Wissen, dass am Ende ein Freund wartet, der Ihren Geist für die nächste Phase des Weges frei macht, wie auch immer sie aussehen und welche Form auch immer sie annehmen mag – das weiß schließlich keiner ganz genau. Das bedeutet nicht, dass Sie nun nie wieder Angst vor dem Tod haben werden. Aber neben der Angst wird es ein wachsendes Gefühl von Frieden und Einverständnis geben.

Sobald Sie sich mit der Realität Ihres Todes einverstanden erklären, erklären Sie sich automatisch mit der Realität Ihres Lebens einverstanden. Mit dem Wissen, dass all dies eines Tages zu Ende sein wird, wächst auch das Verständnis dafür, dass Sie nichts zu verlieren haben, wenn Sie das Abenteuer Ihres Lebens voll auskosten. Dieses Wissen befreit Sie und lässt Sie wachsen. Sie können sich immer noch mit den Spielen dieser Welt ablenken, aber Sie leben nicht länger in der Illusion, dass diese ihren Lebensinhalt darstellen und insofern macht es nicht so viel aus, ob Sie gewinnen oder verlieren.
Die Taoisten sagen, dass nichts passiert, wenn wir sterben.

Das ist zweideutig. Einerseits hört alles auf, zumindest was Ihre Person angeht – das Ich, das Sie die ganze Zeit geglaubt haben zu sein. Andererseits bedeutet es für Ihren unsterblichen Geist, also den Aspekt Ihrer selbst, der die Reise Ihrer Seele Leben für Leben mitverfolgt hat, dass Sie sich nach Verlassen Ihres Körpers dort befinden, wo Sie tatsächlich die ganze Zeit über waren: im ewigen Jetzt.

Wenn Sie jeden Tag nur einige wenige Minuten darauf verwenden, sich Ihre eigene Sterblichkeit bewusst zu machen, so wie man liebevoll an einen Freund denkt, dann rückt dies Ihren Tanz mit der Welt der zehntausend Dinge in die richtige Perspektive und erinnert Sie an die enorme Kostbarkeit jedes einzelnen Moments dieses Lebens und all jener Momente, die Sie mit geliebten Menschen verbringen.


Mein Wunsch: Möge Ihnen dies gelingen und mögen Sie jeden Moment dieses Wunders so sehr genießen, dass Sie heute keine Nanosekunde darauf verwenden, sich schlecht zu fühlen.


Übersetzung Beate Brandt
beate@buch-auf-reisen.com



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